Der Tischtennisaufschlag

 Tipps & Tricks für deinen Aufschlag

und

Aufschlag-Übungen

In einem ersten Text über den Tischtennisaufschlag habe ich bereits beschrieben, wie ein sehr guter Aufschlag mit viel Schnitt beim Tischtennis funktioniert. Häufig werde ich gefragt, wie man richtig fiese Aufschläge hinbekommen kann und ob es da irgendwelche Tipps und Tricks gibt. Die gute Nachricht zuerst: es gibt ein Geheimrezept. Die schlechte Nachricht: es erfordert Training und Fleiß. Soweit so gut – lasst uns loslegen.

Der Aufschlag – Reminder

Aufschläge sind eines der wichtigsten – wenn nicht die wichtigste Sache im Tischtennis. Es gibt dabei wie oben beschrieben einige Aufschlagtipps, mit denen euer Aufschlag besser wird. Im Einzeltraining oder bei den Lehrgängen erlebe ich es oft, dass die Leute Probleme haben richtig viel Schnitt zu entwickeln und erstaunt sind, wenn ich mal einen Aufschlag mache, wie viel Schnitt man so erzeugen kann. Ein Problem ist nicht nur der neue Plastikball, mit dem man unter anderem auf Grund des größeren Durchmessers weniger Schnitt entwickeln kann. Eine große Hürde stellt die fehlende Explosivität im Handgelenk dar, vor allem bei einem zugleich zu zentralen Schlägerwinkel. Gute Aufschläge sind meistens am Ball extrem schnell beschleunigt und dünn getroffen.

Rüber ditschen?
Beherzige diese Aufschlagtipps!

Viele legen den Fokus zu stark auf  das Rüberspielen des Balles. Dadurch bekommt der Ball dann zu viel Tempo und es wird zu wenig auf den Schnitt geachtet. Wenn er dann kürzer gespielt werden soll, wird die ohnehin schon nicht ausreichend schnelle Handgelenksbewegung noch einmal verlangsamt, weil der Aufschlag ja kurz werden soll. Falsch! Hier ist der Aufschlagtipp: Dünner treffen und noch viel mehr das Handgelenk und den Unterarm einsetzen. Zusätzlich solltet ihr mit dem Schläger über dem Tisch bleiben und nicht abtauchen. So bekommt ihr richtig viel Schnitt in eure Aufschläge. Ein weiterer Trick bei den Aufschlägen ist es, die Bewegung am Ende abrupt abzustoppen.

Die Vollbremsung beim Tischtennisaufschlag

Überlegt euch mal folgendes Beispiel. Ihr wollt mit dem Auto Beschleunigen und eine möglichst hohe Maximalgeschwindigkeit erreichen. Nach 100 Metern müsst ihr aber wieder bremsen. Wenn ihr beschleunigt, aber am Ende langsam bremst, müsst ihr viel früher mit dem Bremsvorgang anfangen. Ihr könnt dann nie so viel Gas geben und eine hohe Geschwindigkeit erreichen als würdet ihr Vollgas geben und dann kurz vorher eine Vollbremsung hinlegen. Was wir beim Autofahren vermeiden wollen, ist aber das Ziel beim Tischtennisaufschlag.

Der Tischtennis-Aufschlag mit entspannte Ausklingen der Schlagbewegung

Viele Tischtennisspieler machen nämlich quasi ihren Aufschlag wie in dem oberen Auto-Beispiel. Mit einem viel zu langsamen Bremsvorgang bzw. Abstoppen der Handgelenks- und Unterarmbewegung wird der Ball rübergespielt. Somit kann kein hohes Tempo am Balltreffpunkt entstehen. Anstatt einen fiesen Aufschlag hinzubekommen und den Ball mit viel Rotation anzuschneiden, ist nicht viel Schnitt im Aufschlag. Durch das entspannte und nicht ausreichend abrupte Abbremsen ist zu wenig Beschleunigung vorhanden und wenn dann noch ein zu zentraler Balltreffpunkt dazukommt, ist was wohl eines der hartnäckigsten und größten Problem vieler Tischtennisspieler?

„Ich bekomme einfach nicht viel Schnitt in meine Aufschläge“

Diese Aussage hört man als Tischtennistrainer häufig. Wenn ihr aber die oben beschriebenen Aufschlagtipps beherzigt und den Ball nicht so zentral trefft sondern nur peripher und hauchdünn an der jeweils gewünschten Stelle für den Seitschnitt-Aufschlag, Seitunterschnitt-Aufschlag oder Unterschnitt-Aufschlag, kann es richtig abgehen.
Dann heißt es: Adieu schnittlose Aufschläge – Willkommen im Sensen-Club.

Der Handgelenkseinsatz beim Aufschlag

Problematisch ist es, wenn beim Handgelenkseinsatz versucht wird, die maximale Dehnfähigkeit auszunutzen. Wir haben in beiden Extremen, sowohl in der Vorspannung als auch in der Ausschwungphase beim Stoppen das Handgelenk nicht maximal gedehnt. Stellt euch mal vor, dass ihr eine Frisbee zielgerichtet möglichst weit werfen wollt. Wo hört ihr da auf mit der Wurfbewegung? Genau, nicht am Ende von eurer Handgelenksflexibilität. Wenn ihr nun die Bewegung umdreht und nicht wie beim Rückhand-Topspin eine Frisbee werft, sondern den Schläger an eurem Körper vorbeischnellen lasst, macht ihr genau das – nicht bis zum maximalen Punkt durchschwingen lassen.

Fehlerquelle

Nichtsdestotrotz ist eine häufige Fehlerquelle, dass nicht genug vor dem Balltreffpunkt beschleunigt wird, sondern die Beschleunigungsphase erst richtig am Ball beginnt, dafür dann aber haben mit einer zu langen Ausschwungphase ohne blockieren. Das bedeutet, dass viele Spieler bei ihrem Aufschlag mehr ausholen sollten.
Merke dir Folgendes: Im Moment des Balltreffpunkts muss das Handgelenk am schnellsten sein.

Achtung!

Das soll natürlich nicht heißen, dass leere Aufschläge oder eine gute Platzierung nicht auch hoch effektiv sein können. Aber beides zu beherrschen ist Gold wert. Gerade in unteren Spielklassen wissen einige Tischtennisspieler nicht, wie sie richtig beim Rückschlag an den Ball gehen sollten. Dadurch kann es sein, dass man mit einem guten Aufschlag ein ganzes Spiel gewinnen kann, obwohl man insgesamt spielerisch eigentlich schlechter als der Gegner ist.

Qualität statt Quantität beim Aufschlagtraining

Auf gar keinen Fall sollten mit mehreren Bällen in der Hand Aufschläge trainiert werden. Einen Ball in die Hand nehmen, konzentrieren, auf das abrupte Stoppen, die schnelle Handgelenks- und Unterarmbewegung und den dünnen bzw. tangentialen Balltreffpunkt achten und sich beim Aufschlag Zeit lassen. Das ist deutlich effektiver als ganz viele Aufschläge in der gleichen Zeit zu absolvieren.

Der Rückhand-Aufschlag

Wir haben jetzt hier viel über den Vorhand-Aufschlag geredet. In einem nächsten Artikel geht es dann um den Rückhand-Aufschlag und die Tipps und Tricks dabei. Denn: Es gibt auch dort einige wichtige Sachen zu beachten, damit ihr am Freitagabend beim Punktspiel in Zukunft nicht nur mit euren Vorhand-Aufschlägen eure Gegner zur Verzweiflung bringt. Mich würde es sehr freuen, vom Fluchen eurer Gegner zu hören.

Simon