Mögliche Regeländerung im Tischtennis:
„Egal, ob du Spiele gewinnst,
Hauptsache du gewinnst Sätze!“

Der DTTB will Einheitlichkeit

Ist diese Regeländerung die Zukunft im Tischtennis?

Vierer- statt Sechser-Teams von der Bundesliga bis zur Oberliga

Wer mehr Sätze gewinnt, gewinnt das Spiel

Sieht so meine und unsere Zukunft im Tischtennis aus?

Die Veränderungen

Es tut sich viel bei uns im Tischtennis. Das Punktesystem wird verändert und die Spielsätze werden von 21 Punkten auf 11 verkürzt. Frischkleben wird verboten. Der Tischtennisball wird nicht nur von 38 mm auf 40 mm erhöht, sondern auch das Material wird von Zelluloid auf Plastik umgestellt. Der neue Plastikball ist mit dem Label 40+ zudem noch größer. Das Tischtennistraining Hamburg benennt sich um zum SPIN College. Kleiner Spaß – aber mal ehrlich: Was kommt da noch alles auf uns zu an Material- und Regeländerung?

Der nächste Hammer!

Es wird seit einigen Tagen offiziell über ein neues Spielsystem der oberen fünf Tischtennisligen in Deutschland diskutiert und nachgedacht. Hier ist eine kurze Zusammenfassung der möglichen neuen Regeländerung. Darunter ein verfasster Brandbrief von einem Tischtenniskollegen und Kumpel aus meiner Liga, Florian Keck vom TSV Bargteheide. Wie sieht der Regionalligaspieler das? Vorab aber erstmal die zur Diskussion stehenden Regeländerungen im Tischtennis:

1. Vierermannschaft von der Bundesliga bis zur Oberliga

Schon länger ist im Gespräch, ob die Mannschaften nicht verkleinert werden sollten. Bisher spielen die Bundesligen im 4er bzw. die erste Liga im 3er System. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Vorteile bei 4er Teams sind beispielsweise die Planbarkeit von Punktspielen, sind doch 4-5 Stunden Krimis schöne Geschichten wenn man mit dabei ist, aber für eine Abendplanung ist das natürlich schwierig. Gerade überregional spielen viele Väter lieber Hamburg-Liga am Freitag, anstatt den ganzen Samstag vorsichtshalber für das Punktspiel zu opfern.  Darüber hinaus gibt es in einigen Mannschaften Probleme, die Mannschaft „voll zu bekommen“. Ändert sich das mit dem 4er System? Haben die Vereine genug Hallenzeiten, um deutlich mehr Punktspiele anzusetzen? Was meint ihr?

2. Das Punktspiel wird im Bundessystem an zwei Tischen ausgetragen.

Alle zehn Spiele werden ausgespielt – acht Einzel und zwei Doppel.

3. Jedes einzelne Spiel umfasst exakt drei Sätze, die alle ausgespielt werden.

Das heißt es werden insgesamt genau 30 Sätze gespielt. Zehn Spiele mit je drei Sätzen.

4. Jeder gewonnene Satz zählt

Alle gewonnenen oder verlorenen Sätze zählen als Punkte für die Mannschaft. Diese fließen dann auch so in der Tabelle mit ein. Somit werden pro Punktspiel also 30 Punkte für die Tabelle gegen das gegnerische Team ausgespielt.

5. Meister mit dem meisten gewonnenen Sätzen

Meister wird diejenige  Mannschaft, die am Ende der Saison die meisten Sätze gewonnen hat.

6. Die TTR-Punkteregel bleibt

Wer mehr Sätze gewinnt als sein Gegner und entweder 2:1 oder 3:0 gewinnt, bekommt die TTR-Punkte. Daran würde sich also nichts ändert. Allerdings hätte jeder Tischtennisspieler garantiert zwei Einzel und somit 2x die Chance, auf TTR-Jadt zu gehen.

Gastbeitrag vom Tischtennis-Regionalligaspieler Florian Keck

„Egal, ob du Spiele gewinnst, Hauptsache du gewinnst Sätze!“ – sieht so die Zukunft der Regionalliga aus?

Man stelle sich einmal vor, dass eine Rangliste nicht mehr von dem Spieler gewonnen wird, der auch die meisten Spiele gewinnt, sondern von dem, der die meisten Sätze gewonnen hat – auf diese Idee wird (hoffentlich) nie jemand kommen. Im Ligabetrieb könnte es aber tatsächlich dazu kommen. Gerüchte zur Änderung und Vereinheitlichung des Spielsystems ab Oberliga aufwärts habe ich in letzter Zeit häufiger gehört, im offiziellen Bericht des BeTTV-Präsidenten zum dortigen Verbandstag liest sich

nun Folgendes:

„Auch beim DTTB wird die Diskussion über ein einheitliches Spielsystem geführt: Es gibt wohl keine andere Sportart, die so unterschiedliche Mannschaftsgrößen und Austragungsweisen kennt wie Tischtennis. Als Vorschlag zunächst nur für die Bundesspielklassen (Bundesliga bis Oberliga) liegt Folgendes auf dem Tisch: Alle Spiele werden von 4er Mannschaften im Bundessystem (2 Doppel, 8 Einzel) ausgetragen. Jedes Spiel geht über drei Sätze (Ergebnis also 3:0 oder 2:1), alle möglichen Spiele werden gespielt und (Achtung!) jeder Satzgewinn gibt einen Punkt. Es gibt zehn Spiele, also 30 Sätze. Endergebnis eines Spiels also zwischen 30:0 und 0:30. Das ist sicher sehr gewöhnungsbedürftig.“ Scheint also tatsächlich sehr konkrete Überlegungen zur Verschlimmbesserung zu geben. Das wollte ich hier in der Sommerpause mal zur Diskussion stellen.

Meine Meinung dazu ist Folgende:

Die Vereinheitlichung der Spielsysteme wäre tatsächlich begrüßenswert. Das ist aus meiner Sicht dann aber auch schon das einzig positive.
Ob man in 3er, 4er oder 6er-Mannchaften spielt – für alle Varianten gibt es sicherlich gute Argumente, und mit allen könnte man sich arrangieren. Ich persönlich bevorzuge allerdings 6er-Teams, weil durch eine größere Mannschaft für mich mehr Mannschaftsgefühl aufkommt.

Der Schwachsinn

Die Regel, dass jedes Spiel nur noch aus exakt drei Sätzen besteht, halte ich aus diversen Gründen für kompletten Schwachsinn. Die schwerwiegendsten sind folgende:
– Knappe Fünfsatzspiele sind doch das schönste an unserem Sport – das will man doch nicht ernsthaft streichen?! Die Anspannung, der Nervenkitzel sowohl für Spieler als auch für Zuschauer ist doch dann am höchsten (und schönsten), wenn es bei 10:10 in Satz 5 um alles geht und nicht einfach nur um einen Satz wie jeden anderen.

Ich bin kein König

Und das sage ich als jemand, der in der letzten Saison nicht gerade als Fünfsatzkönig geglänzt hat)
– Jeder Spieler spielt damit nur noch max. 6 Einzelsätze, bisher sind es 10.
– Im Extremfall könnte eine Mannschaft mit dem vorgeschlagenen System 7 von 10 Matches verlieren und trotzdem den gesamten Mannschaftskampf gewinnen. Absurd! Was sagen die anderen, insbesondere die Betroffenen ab Oberliga aufwärts?“

Wie findet ihr das Statement von Flo?

Ich finde das Thema persönlich sehr interessant und bevor ich jetzt noch einmal darauf eingehe, was der DTTB damit bezweckt und aus deren Sichtweise schreibe, würde es mich wirklich interessieren, was ihr davon haltet. Sollte jeder Satz zählen und der Vorschlag so umgesetzt werden? Was habt ihr für Ideen? Schreibt gerne in den Kommentaren eure Ideen und positives bzw. negatives zu dem Vorschlag, der gerade die Runde macht. Wie gewohnt könnt ihr auch gerne anonym mit einem anderen Namen kommentieren. Denn:

Was will der Deutsche Tischtennisbund mit der Regeländerung eigentlich bezwecken?

Der DTTB will Einheitlichkeit. Klar ist, dass die Randsportart Tischtennis einige Schwächen gegenüber anderen Sportarten aufweist. Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten, ein Handballspiel 60 Minuten und ein Basketballspiel 40 Minuten bzw. 48 Minuten in der NBA + eventuelle Overtime. Das ist alles relativ gut planbar. Bei unserem Sport sieht das leider ein bisschen anders aus. Fahren wir in der Regionalliga nach Berlin zum Punktspiel und die Mannschaften treten in Vollbesetzung auf und es wird ein enges 9:7, dann dauert das schon mal gute vier Stunden. Spielen die ohne die Nummer eins und zwei, ist eventuell nach guten zwei Stunden Feierabend.

Wie erklärt man das den Fans

Jetzt will ein Fan aus Berlin zum Tischtennis zugucken kommen und sagt seiner Frau, dass er entweder in zwei oder in fünf Stunden nach Hause kommt auf einem Samstag. Was glaube ich vielen Fußballfans gut passen würde, wenn man länger im Stadion mitfiebern könnte und vielleicht dann doch noch das ein oder andere Bier on top noch geht, ist für Fans, die zum Tischtennis kommen, schwierig. Man muss schon sehr mit dem Verein bzw. mit der Sportart verbunden sein, damit man sagt:

Egal wie lange es dauert, ich komme und bleibe

Bei unseren Punktspielen in der Regionalliga kommen einige Spieler-Väter aus den unteren Mannschaften vorab planbar für 1,5 Stunden. Mehr ist auf einem Samstag einfach familientechnisch nicht drin. Kommt da richtig Spannung auf? Klar, in einigen Matches auf jeden Fall, aber ein richtiger Bezug zum Mannschaftsieg oder Niederlage, ein Mitfiebern um wichtige Punkte im Auf- oder Abstieg kommt leider selten auf. Die Identifikation ist einfach nicht so stark. Wenn man beim Fußball während der Halbzeit schon geht, weil man eine hoffentlich schöne Halbzeit gesehen hat und den Rest im Internet nachguckt, kommt vermutlich auch kein „Mia san mia“, „Nur der HSV“ oder ein St.Pauli Lebensgefühl auf. Man kann das natürlich nicht so stark vereinfachen und runterbrechen, aber die Message vom DTTB ist klar: planbarere Spielzeiten, verkürzte Sätze, größerer Ball für längere Ballwechsel und bessere TV Bilder.

Beim Tennis klappt es doch auch

Es gibt auch Sportarten, die im TV ausgestrahlt werden und keine Zeitvorgabe haben. Tennis zum Beispiel. Zwei bzw. drei Gewinnsätze müssen auch hier gespielt werden. Hierbei ist anzumerken, dass Tennis zwar populärer ist, allerdings auch massiv unter der Fußball-Monopolstellung zu kämpfen hat und das gleiche Problem im TV-Bereich hat – es ist schwer planbar.

Ist die „T2 Asia-Pacific League“ ein mögliches Vorbild?

In der Asien-Pazifik-Liga T2, in der die Topstars wie Timo Boll, Jun Mizutani, Dima Ovtcharov und Tomokazu Harimoto an den Start gehen, wird nach Zeit gespielt. Die Tischtennisstars spielen dabei in einem Fernsehstudio in Malaysia. Jedes Spiel dauert exakt 24 Minuten, danach werden die in der Zeit gewonnenen Sätze gezählt. Timo Boll sagte zu dem Spielsystem, dass es für einen als Spieler stressiger ist. Auf der anderen Seite berichtet der Deutsche Ausnahmesportler, dass es sehr spannend sei, weil jeder Satz zählt. Hört, hört, ist da also ein Befürworter für ein Mannschaftspunktspiel-System a la DTTB-Vorschlag, bei dem die Sätze über Sieg oder Niederlage zählen?

3:1 und trotzdem Druck und Spannung

Obwohl nur noch ein weiterer Satz gespielt werden kann. So berichtet Boll über das System in der Tischtennis-Liga, weil der eine Satz womöglich über den Sieg bzw. eine Niederlage der Mannschaft entscheidet. So steht jeder bis zum Ende unter Druck, auch wenn er das eigene Spiel in der verbleibenden Spielzeit nicht mehr verlieren kann. Wie steht ihr zu der Idee, Tischtennis nach Zeit zu spielen?

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 Die Zukunft im Tischtennis

Wie es weitergeht ist eine gute Frage. Ich gehe davon aus, dass sich in den nächsten Jahren noch einiges ändern wird und weitere Regeländerungen dazukommen. Ob es ein Tischtennisspiel auf Zeit wird oder ob Sätze über die Meisterschaft im Tischtennis entscheiden, weiß ich nicht. Aber es wird vermutlich weitere Veränderungen geben. Natürlich halte ich euch hier auf  meinem Tischtennis-Blog auf dem Laufenden. Mich würde brennend interessieren, wie ihr das mit der neuen, möglichen Regeländerung mit den Sätzen und auch mit den Mannschaften seht. Kommentiert gerne direkt hier, auch gerne unter einen Pseudonym. Soweit von mir hier aus der Tischtennis-Zentrale über die Neuigkeiten, die Meinung von Flo und die möglichen Veränderungen im Tischtennis.

Bleibt am Ball und bis bald in der Halle,

Simon